Geschichte

Das Fach Geschichte leistet einen Beitrag zur politischen Bildung der Schülerinnen und Schüler. „Die Beschäftigung mit politischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Strukturen, Ereignissen und Prozessen der Vergangenheit ermöglicht die Entwicklung von Geschichtsbewusstsein. Dieses bietet Hilfe zur Standortfindung, Standortbestimmung und Teilhabe am demokratischen und sozialen Rechtsstaat, in der gegenwärtigen Gesellschaft und in einer sich schnell verändernden Welt.“ (Lehrplan Geschichte. Gymnasialer Bildungsgang, S. 2)

Das Fach Geschichte wird in den Klassenstufen 6, 8, 9 und 10 zweistündig unterrichtet und in der Einführungsphase dreistündig. Ein besonderer Schwerpunkt liegt in dieser Jahrgangsstufe auf dem Erwerb methodischer Kompetenzen. In der Qualifikationsphase wird Geschichte in Grund- (dreistündig) und Leistungskursen (fünfstündig) unterrichtet.

 

Besuche in Museen und Gedenkstätten werden in allen Klassenstufen durchgeführt. Hinzu kommen regelmäßige Veranstaltungen und Projekte, die wir in Kooperation mit dem Stadtmuseum in verschiedenen Jahrgangsstufen durchführen:

Beim alljährlichen Römertag begeben sich unsere sechsten Klassen auf eine „Reise in die Römerzeit“. An diesem Tag erhalten die Schülerinnen und Schüler einen handlungsorientierten Einblick in das Leben der Römer. Sie beschäftigen sich mit den Römern in Groß-Gerau und den römischen Göttern. Des Weiteren erhalten sie Einblicke in das damalige Militär und die Kleidung der Römer. Außerdem kochen sie nach einem römischen Rezept und Basteln Öllämpchen.

Zum Geschichtsunterricht der Geschichtsleistungskurse der Oberstufe gehört auch der Anspruch, den Geschichtsunterricht mit der Erforschung der Regionalgeschichte zu verbinden. Das wird besonders durch die intensive Zusammenarbeit mit dem Stadtmuseum Groß Gerau ermöglicht. Diese Zusammenarbeit zeigt sich in ganz verschiedenen Projekten.

Traditionell veranstaltet die Jahrgangsstufe Q3/Q4 der Geschichtskurse an unserer Schule ein Zeitzeugengespräch. In Zusammenarbeit mit dem Stadtmuseum Groß Gerau werden Menschen eingeladen, die wichtige Ereignisse der jüngeren Geschichte erlebt und mitgestaltet haben, um mit den Schülern ins Gespräch zu kommen. In unserer Reihe kamen Menschen zu Wort, die ihre Jugend im Nationalsozialismus verbracht haben, die die revolutionären Umgestaltungen in den Jahren 68 und 69 als Abiturienten erlebten oder als Gastarbeiter Höhen und Tiefen der wirtschaftlichen Entwicklung und deutschen Integrationsbereitschaft erlebten. Im Zeitzeugengespräch des Jahres 1918/19 gab es ein Gesprächskonzert mit dem bekannten Jazzmusiker Emil Mangelsdorff. Er machte eindringlich deutlich, dass Jazz im Nationalsozialismus viel mehr als ein Musikstil war. Jazz war das riskante Bekenntnis zu Nonkonformität und zum Anspruch auf individuelle Freiheit und somit eine Form des Widerstandes gegen die gleichmachenden Zwänge einer Diktatur. Indem Erfahrungen wie diese anschaulich weitergegeben werden und Raum für kritische Nachfragen bleibt, wird Geschichte auf eine Art und Weise lebendig, die die Grenzen gedruckter Worte überschreitet.

  • Der Leistungskurs Geschichte gestaltet jährlich die Festveranstaltung zum Volkstrauertag in Groß Gerau mit. Die Schüler lassen Überlieferung durch szenische Lesungen lebendig werden und aktualisieren das Gedenken, indem sie es mit den Fragen der Gegenwart verbinden.
  • Mehrfach waren Geschichtskurse bereits an Stolpersteinverlegungen in Groß Gerau beteiligt. Im Vorfeld dieser Veranstaltungen fanden intensive Recherchen durch Schüler statt, in denen das Leben und das Schicksal jüdischer Familien in Groß Gerau aufgearbeitet und ein Kontakt zu den noch lebenden Nachfahren der jüdischen Familien ermöglicht wurde, die dann sogar bereit waren, an der Stolpersteinverlegung teilzunehmen. Hier zeigt sich, dass Geschichtsunterricht dazu beitragen kann, Brücken zu schaffen.

Mitgestaltet wurden von Geschichtsleistungskursen eine Ausstellung zur ehemaligen jüdischen Gardinenfabrik Mattes, den späteren Press- und Stanzwerken Faulstroh, die so prägend für die Nachkriegsgeschichte der Stadt Groß Gerau waren. Die Schüler zeigten in ihrer Ausstellung, wie sich in einem einzigen Industriestandort das ganze wechselvolle Spektrum deutscher Geschichte spiegelte und trugen damit auch zu einer kritischen Aufarbeitung bei. Eine weitere, sogar mit dem „Preis für Regionalgeschichte“ gekrönte Ausstellung war das Gemeinschaftsprojekt zwischen dem Geschichtsleistungskurs und dem Stadtmuseum unter dem Titel „ Wendepunkte – was uns in den 1980er Jahren bewegte“ Auch hier haben die Schüler haben die Ausstellung thematisch wesentlich bestimmt und beeinflusst.